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Salvador Dalí 109

Erinnerung an ein Genie, das vor 24 Jahren starb

 

Von B. John Zavrel

 

Salvador Dalí. Porträt von K. Donst. Die lebensgroße Büste ist mit dem Haar-Stil ausgeführt, wie in Dalí zu Beginn seiner Bekanntschaft mit Coco Chanel in Paris pflegte. Das Bildnis gehört zur „Royal Dalí Collection des Museum Europäische Kunst (Noervenich Castle, Germany)

Copyright: Foto: Marco-VG

 

Madrid/New York (bpb) Salvador Dalí ist im Bewusstsein von unzählig Millionen Menschen in der Welt. Geboren wurde er am 11. Mai 1904 im spanischen Figueres(Girona, Katalonien). Somit können seine Verehrer im Jahr 2013 seinen 109. Geburtstag begehen. Am 23. Januar 1989 ging sein erfolgreiches, exzentrisches und oftmals skurriles Leben zu Ende. Das war vor 24 Jahren. Für Zeitzeugen, die ihn persönlich kannten, ist er heute bei allem Respekt noch immer auch „der Verrückte von Cadaques".

Es gibt nur wenige Künstler im westlichen Kulturkreis über die so viel geschrieben wurde wie über Salvador Dalí. Und es mag sogar sein, dass er in Buchpublikationen bis heute noch vor Pablo Picasso, Marc Chagall und Jean Cocteau führt. Berichtet wird über Dalí dabei nur durchwegs positiv. Übergangen, ja verschwiegen, wird dagegen sein wahre Einstellung zur Politik und den die Welt verändernden Geschehnissen in Europa bis 1945. Ab und zu wird immer noch seine „Sympathie für den spanischen Diktator Francisco Franco" kritisiert. Doch diese möglichen dunklen Flecken auf Dalís weißer Weste werden wohl nie beseitigt, beziehungsweise aufgeklärt werden können.

Als Anfang der Jahre 1930 sich die politischen Verhältnisse durch die kommunistische Bedrohung Europas unter Josef Stalin seinen Gegnern Adolf Hitler (Deutschland),. Benito Mussolini (Italien) und Franco (Spanien) zuspitzten, entzogen sich Dalí und seine Frau Gala der bedrohlichen Lage. Beide reisten1934 erstmals in die USA. Der mit Kommunisten sympathisierende Pablo Picasso gab Dalí das Geld für die Reise, wurde später berichtet. Von 1940 bis 1948 lebte Dalí in den USA. Nach seiner Rückkehr entwickelten sich gute Beziehungen zwischen dem Künstler und Diktator Franco. Als Beispiel der Chancen, die bei einem guten Verhältnis zur Politik möglich sind, berichtete Dalí 1974 im privaten Kreis: „Als die spanische Flotte vor vielen Jahren damit begann,vor der Bucht von Cadaques Militärübungen abzuhalten, da beklagte ich in einem Telefonat mit Caudillo Franco („Der Führer") den damit verbundenen und mich störenden Lärm. Kurz darauf geschah unerwartet ein Wunder: Es herrschte wieder Stille, Die Schiffe waren abgezogen."

 

 

Gala Dalí, einzige Ehefrau des Künstlers. Sie starb vor ihm. Porträtbüste von Karolin Donst. Das meisterliche Werk ist mit einem von Dalí entworfenen Collier dekoriert. Auf dem Haar ist die Chanel-Schleife in Form eines Schmetterlings erkennbar. Das Porträt gehört zur Sammlung der Europäischen Kultur Stiftung Deutschland ( www.europaeische-kultur-stiftung.org )

Copyright: Marco-VG Bonn

 

Dalí und die Gruppe der Surrealisten

Der französische Schriftsteller André Breton gilt als der wichtigste Theoretiker des Surrealismus. Er war Verehrer und Freund Dalís, der schließlich zu dessen Kritiker wurde. In der von Breton redaktionell betreuten surrealistischen Zeitschrift „Minotaure" veröffentlichte er 1933 den Artikel „Von der schaurigen und essbaren Schönheit, von der Jugendstil-Architektur". Der Aufsatz endete mit der Erklärung: „Die Schönheit wird essbar sein oder gar nicht sein."

Doch 1934 kam es zu Spannungen innerhalb der kommunistisch ausgerichteten surrealistischen Gruppe gegenüber Dalí. Der Streit eskalierte wegen Dalís Bild „Das Rätsel Wilhelm Tells". Es zeigte einen knienden Lenin ohne Hose mit stark vergrößerter Arbeiterkappe und einer monströsen rechten Gesäßbacke. Wilhelm Tell stellt zugleich nach eigener Aussage Dalís Vater als Kannibalen dar und bildet sein gestörtes Verhältnis zu ihm ab: Das kleine Kind auf seinem Arm ist Salvador, die Nuss zu Füßen Tells enthält das winzige Kind, das Gala darstellt und vom Zertreten bedroht ist.

André Breton warf Dalí in einem Brief vom 23. Januar 1934 folgende Punkte vor: Antihumanismus, Verteidigung des Neuen und Irrationalen im Phänomen Adolf Hitler, sein Plädoyer für die akademische Malerei zu Ungunsten der Moderne, die späte Verteidigung väterlicher Autorität und familiärer Werte und bezüglich des Bildes ultrabewusste Malerei und Streben nach Erfolg.

Dalí wies in einem Antwortschreiben die Anschuldigungen zurück. Zum Hauptanklagepunkt des Faschismusvorwurfes legte Dalí mit Verweis auf seine Bilder dar: „Ich bin also weder tatsächlich noch von der Neigung her ein Hitler-Anhänger."

Trotzdem kam es zum Ausschluss Dalís von den Gruppensitzungen der Surrealisten um Breton, der sich den Führungsanspruch der Gruppe nicht nehmen lassen wollte. Eine surrealistische „Generalversammlung", die Breton für den 5. Februar 1934 in seiner Wohnung einberufen hatte, beschloss: „Dalí hat sich wiederholt konterrevolutionären Aktionen, die zur Verherrlichung des Hitler-Faschismus neigen schuldig gemacht. Daher schlagen die Unterzeichner, trotz seiner Erklärung vom 25. Januar, vor, ihn als ein faschistisches Element aus dem Surrealismus-Kreis auszuschließen und mit allen Mitteln zu bekämpfen." Der Beschluss wurde von neun Mitgliedern unterzeichnet: Victor Brauner, André Breton, Max Ernst, Herold, Hugnet, Meret Oppenheim, Peret, Yves Tanguy und Caillos. Nur Pierre Yoyotte gab sein Verständnis für die Standpunkte Dalís zu Protokoll. Diese Beschuldigungen wurden wiederum von Dali-Freunden von anderer Seite als Neid-Reaktionen auf den künstlerischen Erfolg Dalís gewertet.

Dalí beteiligte sich jedoch weiter erfolgreich an Ausstellungen der Gruppe. Breton erkannte schließlich, dass sie auf den Publikumsmagneten nicht verzichten konnte. Zu den Vorwürfen, er sei ein Anhänger des Faschismus und Adolf Hitlers, nahm Dalí in seiner Autobiographie Stellung: „Man forderte […] von mir, ich solle mich endlich entscheiden, Stalinist oder Hitlerist zu werden. Nein! […] Ich würde immer bis zum Tod derjenige bleiben, der ich war, Dalí und nur Dalí! Ich glaubte weder an die kommunistische Revolution noch an die nationalsozialistische Revolution."

 

 

Das Einzige, was mich interessiert….

Aus heutiger Sicht ist zu sagen: Dalí gehört zweifelsohne qualitativ und kommerziell zu den erfolgreichsten Künstlern des XX Jahrhunderts. Sein getreuer Adlatus, der Brite Cpt. Peter Moore, hat zu seinem Ruhm durch Öffentlichkeitsarbeit wesentlich beigetragen. Als Gigant der Kunst hat sich Dalí gern in die Gesellschaft der Schönen, Einflussreichen und Erfolgreichen begeben. Das war schon so als er in den 20er Jahren mit Coco Chanel in Paris verkehrte. Er hatte hohen Respekt vor Leistung und Können. Das führte im Alter zu der von im proklamierten „Freundschaft des Goldenen Dreiecks" mit dem Jahrhundert-Bildhauer Arno Breker (Deutschland) und dem Malerfürsten Ernst Fuchs (Österreich).

Bei aller Euphorie für andere Genies gab Dalí stets zu verstehen, dass er sich vor allem selbst liebt. Daher hat er sich auch „der Göttliche" nennen lassen. Seine Bewunderer waren verrückt nach ihm. Die Kunstsammler galten in bestimmten Schaffensperioden sogar als „süchtig", wenn es um seine Lithographien und Radierungen ging. Durch den Kauf dieser Arbeiten fühlten sie sich zu Recht als ein Teil der Kunst des Meisters. Denn Künstler und ihre Sammler gehören zusammen wie Reifen zu einem Auto.

Bis Dalís Tod war es eine glückliche Zeit für den Surrealisten und die Sammler. „We love You!" ließen sie ihm immer wieder wissen. Und keiner fühlte sich beleidigt durch provokativ wirkende Sprüche die vieldeutig wirkten. Realistisch war der heute noch zitierte übertriebene Spruch von Dalí: „Das einzige, was mich interessiert ist Geld."

(06-05.2013)

 

 

 

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PROMETHEUS, Internet Bulletin for Art, News, Politics and Science, Nr. 189, May 2013