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Wilhelm Kreis: Ehrenmale für Soldaten

Tempel und Heldengräber von Afrika bis Griechenland und Nordeuropa

 

 

Ehrenmal und Soldatenfriedhof bei Drontheim. Federzeichnung von Wilhelm Kreis aus dem Jahr 1940

© Kreis-Archive, Marco-VG, Bonn

 

Berlin (bpb) Der Architekt Wilhelm Kreis hatte im XX. Jahrhundert den Auftrag der deutschen Reichs-Regierung, Ehrenmale und Soldatenfriedhöfe zum Gedenken an die Gefallenen des Krieges zu errichten. Die großen Anlagen in Form von Tempeln und Heldengräbern sollten in Nordafrika, Griechenland, Polen, Russland sowie in Nord und Westeuropa errichtet werden. Bekannte Bildhauer wie Arno Breker und Josef Thorak sowie unbekannte junge Künstler wurden gebeten, mitzuwirken. Die Projekte standen unter Aufsicht des Hitler-Architekten Albert Speer.

Architekt Wilhelm Kreis schrieb 1941 in Berlin in einem Beitrag mit dem Titel "Zu meinen Skizzen" Gedanken über seine Pläne nieder. Nachfolgend sind Auszüge veröffentlicht.

"Die vorliegenden Skizzen meiner Hand dienen zur Anregung für die Mitarbeiter bei der Gestaltung deutscher Kriegsfriedhöfe. Bisher habe ich selbst noch keine Anlage in eigene Durchführung genommen, vielmehr beabsichtige ich, einen großen Teil derselben durch Verteilung an freie Mitarbeiter zu verwirklichen. Eine Anzahl bewährter Künstler ist bereits bei der Arbeit. Neben älteren Künstlern wie Tischler und Thorak sind auch jüngere Architekten zugezogen.

Zur Arbeitsweise, wie ich solche Ideen-Skizzen wie die beiliegenden anfertige, ist zu sagen: Die bedeutendste Anregung habe ich bei der Besichtigung der Schlachtfelder gewonnen, wobei ich freihändige Skizzen sofort entwarf, andere wiederum aus der Erinnerung und aus dem Gedächtnis des Geschauten.

Ich denke seit meiner ersten Jugendarbeiten beim Zeichnen weniger als vorher. Ehe ich einen Baugedanken haben kann, muss ich den Grund dafür genau kennen. Ehe ich einen Baugedanken aber zu Papier bringen kann, muss ich ihn sozusagen bei geschlossenen Augen sehen können. Nur so kommt ein Baugedanke ohne Korrektur in nur wenigen Strichen zu Papier, perspektivisch richtig gezeichnet. Es wäre falsch daraus zu schließen, dass mir die Arbeit sehr leicht fiele. Es ist das nicht der Fall. Vielmehr quält mich of lange der Gedanke, der keine Form annehmen will. Es bleibt dann das Denken und Zeichnen trotz langem Überlegen unzulänglich.

Da ich sehr streng gegenüber originelle Einfälle und vorsichtig dem Neuen gegenüber bin, so suche ich so lange nach der Form des Baugedankens, bis das Ende der Überlegung zur größten Einfachheit führt. Diese Formen zu vergleichen mit den Formen der Tradition ist ein Prüfstein. Ich halte diese Prüfung für die einzige Möglichkeit, einen Maßstab für die Echtheit und Güte einer neuen Form zu finden. Die meisten sogenannten guten Einfälle stellen sich bald als Trugbild heraus.

Ich habe als junger Student und Anfänger viele solche Einfälle gehabt, deren Originalität Aufsehen machte, habe selbst aber erkennen müssen, dass nur das Neue daran mir damals Freude einbrachte, dass aber mit der Zeit weder die Allgemeinheit noch ich viel Freude daran erlebte. So wurde ich gegen meine "Originalität" misstrauisch und studierte nun erst gründlich und auf das allerernsteste die Quellen der alten Kunst, ihre Entstehung, ihre ersten einfachen Werke, wie ihre letzten und reifsten.

(Auszug aus dem Original-Text. Copyright Kreis-Archiv/Marco, Bonn)

 

 

Wilhelm Kreis: Am Fuße des Olymp. Entwurf für einen Ehrentempel bei Olympia in Griechenland, 1941.

© Photo: Kreis-Archive, Marco-VG, Bonn

 

 

Copyright 2003 West-Art, Prometheus 89/2003

 

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Nr. 89 Fall 2003