Von Joe F. Bodenstein
Albert Field mit Salvador Dali beim Tee im Hotel St. Regis in New York
© Foto: Dali-Archiv/Marco-VG
New York (bpb) Albert Field, der Gründer des amerikanischen Dali-Archivs, ist tot. Er starb im Alter von 86 Jahren am Montag, 4. August, im Sinai Hospital of Queens in New York. Es gibt viele Gründe, dem Mann zu danken, der Jahrzehnte damit verbrachte, das graphische Werk Dalis zu ordnen. Field fühlte sich durch einen Brief Dalis autorisiert, sein Archivar zu sein. Der von ihm publizierte "Offizielle Katalog des graphischen Werkes von Salvador Dali", gab Sammlern Vertrauen. Der Katalog selbst wird jedoch bis heute von den Dali-Erben, dem Spanischen Staat und der Foundation Gala Salvador Dali nicht als verbindlich anerkannt.
Trotzdem ist die mühsame Arbeit von Albert Fields ein wichtiger Beitrag, Licht in das Dunkel der Techniken und Auflagenhöhe der graphischen Arbeit des Künstlers zu bringen. Field stützte sich dabei auf Angaben der jeweiligen Verleger. Diese waren nicht immer vollständig. Einige Editionen hatten gar kein Interesse, Details zu veröffentlichen. Andere Verleger waren nicht mehr in der Lage, Angaben zu machen. Zum Beispiel hatte die Galerie von Heinz Berggruen in Paris zuerst die klassische Radierung "Rom und Cadaques" in einer kleinen Auflage angeboten. Wegen der großen Nachfrage waren dann neue Auflagen gemacht worden.
Der Drucker von Radierungen in den Ateliers Rigal in Paris und der Lithograph Fernand Mourlot hätten beste Auskunft über die Anzahl der jeweiligen Abzüge geben können. Aber sie waren nicht von Dali autorisiert, dies zu tun. Dalis berühmtester Sekretär Peter Moore wiederum gab offen zu, dass durch die Vielfalt des Schaffens es nachträglich nicht mehr möglich sein wird, ein genaues Werkverzeichnis zu erstellen. Dalis letzter Sekretär, der Fotograf Robert Descharnes, konnte Field nicht viel helfen. US-Verleger wiederum verweigerten jede Angaben.
Field erlebte Neid und Undank
Albert Field hat diese Tatsachen nicht entmutigt. Er hat alles zusammengetragen, was er in Europa und Amerika fand. So wurde er zum Spezialisten für Dali-Grafiken und einem persönlichen Archiv, das er bis zum Schluss mit seinem Freund Frank Hunter betreute. Beide haben vielfach den Neid gehört, dass Sie für die Zertifizierung von Grafiken zu viel Geld verlangten und gut verdienten. Reich scheint Field nicht geworden zu sein, denn sonst hätte sein Dali-Katalog in einer besseren Druckqualität erscheinen können. Einen Dank dafür hatte er von offizieller Dali-Seite nie gehört.
Ich bin Albert Field erstmals 1975 begegnet. Er hatte damals Kontakt mit dem Verleger Marco Bodenstein und wollte Auskunft über die von MARCO und ART 204 in Paris edierten Grafiken und Skulpturen. Salavdor Dali, der Breker für die einzig autorisierte Büste Modell saß, hatte dem Bildhauer die Lithographie "Ritter und Fürst" zum 75. Geburtstag gewidmet und auch eine Radierung "Reiter mit dem Lorbeerkranz" nach dieser Zeichnung genehmigt. Field sah mit seinen grauen Haaren wie ein Kunstprofessor aus. Er wirkte sehr gewissenhaft. In den folgenden Jahren trafen wir Field immer wieder auf Kunstausstellungen und Kunstmessen in Düsseldorf, New York, Chicago und Los Angeles. Er war stets auf der Suche nach Dali-Arbeiten.
Eines Tages besuchte ich Field in seinem New Yorker Domizil. Sein "Archiv" war vollgestopft wie ein Bazar. Es schien alles unordentlich. "Bitte fassen Sie nichts an, damit es nicht durcheinander kommt", sagte Fields. Auf die Frage, wie er sich in diesem Chaos zurechtfinde, tippte er auf seinen Kopf und sagte: "Das ist alles in meinem Computer gespeichert."
Nun hat der "Computer" am 4. August 2003 aufgehört zu arbeiten. Bereits in den letzten Jahren hatte der kränkelnde Field zurückgezogen gelebt. Er wird allen, die ihn kannten und schätzten, als Idealist und auch als fanatischer Dali-Fan in Erinnerung bleiben. Als einer der letzten Zeitzeugen Dalis ist Field jedoch unersetzbar. Auf seinem Grab könnte die Inschrift stehen: "Er hat vieles von Salvador Dali gewusst, aber nicht alle Geheimnisse gekannt."
Copyright 2003 West-Art, Prometheus 89/2003